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Der Strukturwandel, die hohen Energiepreise und zuletzt auch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, die zu einer großen Verunsicherung auf den Agrar-Märkten führt: Themen wie diese beschäftigen Michael Modlmeier, neben Andreas Kielbassa einer der beiden Geschäftsführer der Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land. Mit 13 Niederlassungen in den drei Landkreisen Erding, Landshut und Mühldorf gehört die RWG Erdinger Land zu den größten Raiffeisenhändlern Bayerns.

Die Anforderungen an sie als Dienstleister in der Landwirtschaft steigen ständig. „In der Landwirtschaft sagen wir: So schlimm wie dieses Jahr war’s noch nie“, sagt Modlmeier, seit März 2024 Geschäftsführer, und ergänzt: „Das ist in gewisser Weise auch richtig. Jedes Jahr hat seine Eigenheiten. Mal ruckelt es im Baustoffbereich, mal im Agrarbereich, dann wegen der Energiepreise. Ich bin seit 22 Jahren in der Branche und habe schon einiges erlebt. Von daher: Jedes Jahr ist interessant und eine Herausforderung.“

Innovativer Dienstleister im ländlichen Raum

Die Raiffeisen-Waren GmbH Erdinger Land mit 13 Standorten in den Landkreisen Erding, Landshut und Mühldorf ist nicht nur zuverlässiger Lieferant für Produkte rund um die Landwirtschaft, sondern auch Abnehmer für Erträge. In erster Linie wird der regionale und nationale Rohstoffmarkt beliefert. Die RWG Erdinger Land, gegründet 2000, hat aber auch weitreichende Beziehungen innerhalb Europas. Seit 1. März 2024 wird die RWG Erdinger Land mit 180 Mitarbeitern und 16 Auszubildenden von Michael Modlmeier und Andreas Kielbassa geführt.

Die Digitalisierung von Abläufen und der Einsatz moderner Technologien bestimmen ihr Wirken. „Bei der Digitalisierung ist die Landwirtschaft sehr fortschrittlich“, sagt Modlmeier. „Die Landwirtschaft setzt neue Technologien schnell um, zum Beispiel bei der Satelliten-gestützten Ackerbearbeitung.“

Für die RWG Erdinger Land geht es bei der Digitalisierung unter anderem darum, wie der Landwirt am besten an die Ware kommt. „44 Raiffeisen-Genossenschaft haben die Firma Akoro gegründet, ein digitales Büro. Wir rollen dies demnächst auch bei uns aus, bis Mai 2025 sind wir in der Testphase“, erklärt Modlmeier. „Akoro ist kein offener Online-Shop, sondern ein personalisierter Shop, bei dem zu individuellen Konditionen eingekauft werden kann. Eine Art digitales Lagerhaus, das auf die Anforderungen der jeweiligen Landwirtinnen und Landwirte zugeschnitten ist.“

Digitale Düngebedarfsermittlung stemmen

Das zweite große Thema im Bereich Digitalisierung für die RWG Erdinger Land sei die Düngebedarfsermittlung über eine Software. Auch hier agiert die RWG Erdinger Land nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen Raiffeisen-Genossenschaften. Zusammen haben sie die Raiffeisen Networld, eine digitale Handelsinfrastruktur, gegründet mit dem Ziel, die Unabhängigkeit der deutschen Agrarwirtschaft von multinationalen Plattformgiganten zu sichern. „Wir haben 500 Landwirte in der Beratung“, sagt Modlmeier.

„Bisher stellte die Landesanstalt für Landwirtschaft ein System für die Düngebedarfsermittlung zur Verfügung, doch ab dem kommenden Jahr ändert sich das. Landwirtinnen und Landwirte können ihre Düngebedarfsermittlung dann nicht mehr mit einer staatlichen Software machen, sondern müssen sich einen anderen Dienstleister suchen.“ Aus den bisher von ihnen betreuten 500 landwirtschaftlichen Betrieben könnten 6.000 werden. „Das ist für uns ein Riesenthema, das wir stemmen müssen und für das wir weiteres Personal brauchen, um alles abdecken zu können“, sagt Modlmeier.

Seit mehreren Jahren biete die RWG Erdinger Land ihren Landwirtinnen und Landwirten noch einen zusätzlichen Service, eine Beratung, an. „Diese Dienstleistung ist vergleichbar mit dem Gespräch mit einem Finanzberater in einer Bank, der für seine Kundinnen und Kunden die Versicherungen auf Vordermann bringt. Bei uns geht es nicht um die Finanzplanung, sondern um die Düngebedarfsplanung, zu der Landwirtinnen und Landwirte gesetzlich verpflichtet sind. Wir beraten individuell, welchen Dünger ein Landwirt am besten einsetzt. Diesen bestellt er im Bestfall dann gleich im Gespräch bei uns.“

Zukunftsweisende IT-Infrastruktur

Gemeinsam haben Raiffeisen-Genossenschaften eine digitale Handelsplattform gegründet, die Raiffeisen Networld. Die Plattform soll zum zentralen Werkzeug für Landwirtinnen und Landwirte werden, mit dem sie Abläufe in ihren Betrieben effizienter gestalten können. Sowohl der Bezug von Betriebsmitteln als auch der Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse kann digital abgewickelt werden. Dies dient dazu, Prozesse zu automatisieren, Kosten zu sparen und agiler zu sein. Die Raiffeisen Networld verfügt über eine zukunftsweisende IT-Infrastruktur – passgenau auf individuelle Anforderungen in Konzeption, Ausschreibung oder Umsetzung.

Erforderliches Umdenken in der Landwirtschaft

Der Strukturwandel führt dazu, dass sich die Waren- und Dienstleitungsgenossenschaft immer wieder anpassen und nach neuen Lösungen suchen muss. „In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Anzahl von landwirtschaftlichen Betrieben halbiert. Ich gehe nicht davon aus, dass diese Entwicklung in derselben Intensität fortschreitet, dennoch müssen wir reagieren.“ 

Da Landwirtinnen und Landwirte ihre Höfe aufgeben, entstehen immer mehr Großbetriebe – die durchschnittliche Hektarzahl pro Betrieb vergrößert sich, Landwirtinnen und Landwirte arbeiten mit deutlich größeren Maschinen. „Die Anforderungen an unsere Lagerhäuser haben sich verändert. Früher fuhren bei uns Drei-Tonnen-Kipper vor, nun sind es Fahrzeuge, auf denen zwölf Tonnen Getreide geladen sind“, berichtet Modlmeier. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft zwingt sie zum Umdenken: „Wir müssen kleinere Betriebe zusperren und dafür einen größeren, weitaus leistungsfähigeren Betrieb bauen.“ Das seien Investitionen, die zu stemmen sind. „Immer wieder eine Herausforderung aufs Neue“, sagt der Geschäftsführer von der RWG Erdinger Land.

Doch Investitionen bringen Vorteile: Modlmeier kommt auf die Modernisierung von Futtermittel-Silos zu sprechen: „Die Silos der Landwirtinnen und Landwirte werden mit Sensoren ausgestattet, so dass wir direkt den Füllstand sehen. Durch diese Vernetzung lassen sich Kosten sparen. Der Umweltaspekt spielt da eine große Rolle: Durch eine bessere Planung der Fahrten entstehen weniger Frachtkosten.“ Landwirtinnen und Landwirte könnten sogar der RWG Erdinger Land ihre Genehmigung erteilen, das jeweilige Silo automatisch wiederaufzufüllen, sobald es leer ist.

Anpassungen an klimabedingte Veränderungen

Besser als nur auf veränderte Bedingungen zu reagieren, wäre es, Entwicklungen einen Schritt voraus zu sein. „Trotz der Überschwemmungen, die wir beispielsweise vergangenes Jahr erlebt haben, wird es in der Regel überall trockener. Auf diese Gegebenheiten müssen wir uns einstellen“, sagt Modlmeier. „Wenn wir vom Klimawandel sprechen, dann denke ich auch an wasserresistentere Pflanzen, die mehr Trockenheit aushalten. Es wird Jahre geben, in denen wir wochenlang mit Extremwetter-Perioden zu kämpfen haben. Wir sollten daher auf neue Züchtungen, auf neue Sorten, setzen.“

Auch beim Pflanzenschutz – bei Maßnahmen, die Schäden an Pflanzen verhindern oder zumindest mindern – sollte zeitnah gehandelt werden: „Wir würden gerne biologischen Pflanzenschutz, sogenannte Biostimulanzien, einsetzen. Das sind natürliche Produkte, die eine Pflanze stärken, indem sie diese wasserresistenter machen und dabei unterstützen, mit Stressfaktoren wie Extremwetter besser klarzukommen.“ Im Vergleich zu südeuropäischen Ländern tue sich Deutschland mit diesem Schritt noch schwer, so Modlmeier. „Durch den Klimawandel allerdings werden wir auf den Boden der Tatsachen geholt. Zu Beispiel können Algenpräparate der Pflanze helfen, mehr Trockenstress auszuhalten und weniger anfällig für Krankheiten zu sein.“ Noch hätten sie gewöhnlichen Pflanzenschutz im Angebot, aber der RWG Erdinger Land ist es durchaus ein Anliegen, diesen zu reduzieren.

„Steigende Preise in der Landwirtschaft – das ist immer schlecht.“

Michael Modlmeier, Geschäftsführer RWG Erdinger Land

Weitaus weniger Einfluss hat die Landwirtschaft auf Veränderungen, die sich durch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump ergeben. „Die Strategie von Trump ist eine klassische Verwirrtaktik. Wir sind nur am Rande betroffen. Würde zum Beispiel Soja bezollt werden, könnten Zölle auch im Nachgang bei bereits bestehenden Kontrakten erhoben werden. Ebenso bei Dünger: Steigen die Zölle auf russische Dünger an, kann zwar auf Dünger aus anderen Ländern zurückgegriffen werden, doch dann gehen wir von einem verknappten Angebot aus. Das bedeutet einen Preisanstieg beim Dünger. Steigende Preise in der Landwirtschaft – das ist immer schlecht.“

Die Sorge vor Zöllen stellen eine derzeit unberechenbare Größe dar, ebenso wie die Energiepreise. „Die Düngemittelproduktion verschlingt sehr viel Energie und die Preise schwanken. So gehen wir nicht ins Risiko und kaufen nur die Ware ein, die wir schon verkauft haben. Wohin sich die Märkte bewegen, das weiß momentan keiner. Ob das Energie oder eben auch Dünger und Getreide betrifft: Risikomanagement bleibt ein großes Thema für uns in der Landwirtschaft.“

Rekordjahr für die Futtertrocknung Lamerdingen

Auf Digitalisierung und moderne Technik setzt auch die Futtertrocknung Lamerdingen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1960 konserviert die Genossenschaft mittels Heißlufttrocknung Futtermittel. Das vergangene Jahr 2024 war ein bewegtes für die Ostallgäuer. Die Produktionsmenge konnte die Futtertrocknung von 142.000 Dezitonnen im Vorjahr auf über 201.000 Dezitonnen steigern. „Ein Rekord“, freut sich die Genossenschaft. Und das trotz hoher Energiekosten. „Dies ist eine beeindruckende Leistung unseres Teams, insbesondere angesichts der volatilen Strom- und Gaspreise“, sagt Geschäftsführer Matthias Vögele.

Trocknungsgenossenschaft und Futtermittelhändler

Die Futtertrocknung Lamerdingen Genossenschaft aus dem Ostallgäu unterstützt ihre 650 Mitglieder von der Ernte bis zur Lieferung und Verarbeitung des Futters. Zu den Mitgliedern und Kunden gehören nicht nur regionale Betriebe, sondern auch Unternehmen aus verschiedenen anderen Ländern. Ziel der Trocknungsgenossenschaft ist es, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Belange durch kooperatives Handeln zu fördern. So können Futterüberschüsse fair und bequem über die Genossenschaft vermarktet werden. Mais, Stroh, Gras oder Luzerne werden zu hochwertigen Cops oder Ballen veredelt und konserviert. Dabei ist es das Ziel der Futtertrocknung, ihren Mitgliedern eine kontinuierliche Versorgung unabhängig von Wetter- und Börsenschwankungen zu gewährleisten und ihre Futterversorgung abzusichern.

„Die Kunst besteht darin, die Produktionen auf die Energiemärkte abzustimmen“, erläutert Vögele. „Wir müssen sowohl mit unseren Managementsystemen als auch mit unserem Wissen die Produktion steuern. Für uns geht es darum zu wissen, wann der Strom wie viel Euro kostet. Denn über den Tag hinweg sind gewaltige Bewegungen beim Preis drin.“ Kosten könnten da reduziert werden, indem die Produktion zu ungünstigen Bezugszeiten auch mal eingestellt werde.

Ebenso treffen Vögele und sein Team Entscheidungen darüber, zu welchen Zeiten sie welches Produkt herstellen. Kleegras, Luzerne, Mais oder Stroh gehören zu den Ernteerzeugnissen, die in Lamerdingen zu Futtermittel verarbeiten werden. Weiter verlassen sie sich auf Berechnungen, wann welches Material am besten geerntet werden sollte. „Durch Management, Disposition oder Qualitätsprüfung lassen sich pro Produktionsmenge die Kosten fast halbieren“, sagt Vögele.

In einem energieintensiven Unternehmen wie der Futtertrocknung war das Energiethema schon immer präsent. So war es eine lohnende Investition, eine Photovoltaikanlage errichten zu lassen. Diese ging 2024 in Betrieb – mit einer Leistung von 1 MW.

„Für den Menschen allein gibt es mittlerweile zu viele Komponenten, die es zu beachten gilt.“

Matthias Vögele, Geschäftsführer der Futtertrocknung Lamerdingen

Effizient lassen sich Abläufe gestalten, da die Futtertrocknung verstärkt auf eine digitale Produktionssteuerung setzt. „Wir arbeiten intensiv mit digitalen Strategien, auch mit KI-Tools. Für den Menschen allein gibt es mittlerweile zu viele Komponenten, die es zu beachten gilt. Früher war nur das Wetter interessant, heute kommen so viele Variablen hinzu“, erklärt Vögele. „Für den Menschen allein wird das alles immer schwieriger zu ordnen. Der Strompreis kann jede Viertelstunde ein anderer sein. Wir versuchen das bestmöglich auszutarieren, eine hundertprozentige Trefferquote gibt es jedoch nicht.“ Für die Futtertrocknungs-Genossenschaft ist es daher entscheidend, wie und an welcher Stelle sie sich am besten Unterstützung aus der digitalen Welt einholt. „Es gilt, dieses Zusammenspiel immer weiter zu optimieren“, betont Vögele.

Trotz aller Technik bleibt die Personalsituation ein zentrales Thema. „Die Suche nach Arbeitskräften stellt zunehmend ein großes Problem dar“, klagt der Geschäftsführer der Futtertrocknung. „Wir versuchen, über Social Media oder über Pressearbeit Menschen zu erreichen, die gerade ins Berufsleben einsteigen. Überdies arbeiten wir mit Schulen zusammen und laden junge Menschen ein, bei einem Praktikum zu erfahren, was wir alles so machen.“ Da die Futtertrocknung von April bis in den November hinein besonders arbeitsintensive Monate hat, es im Winter dagegen ruhiger zugeht, sei es für sie auch interessant, mit anderen Unternehmen zu kooperieren. „Langfristig in einem Angestelltenverhältnis zu sein, nicht nur für ein halbes Jahr, das ist ja auch für den jeweiligen Arbeitnehmer interessanter. Gemeinsam versuchen wir also, Mitarbeiter zu halten. Und letztlich sind Praktikanten zum Beispiel aus Usbekistan oder Aserbaidschan eine Bereicherung für den Betrieb. Wir bilden diese aus und hoffen, dass sie bleiben können.“

„Herausforderungen gibt es bei uns viele und nun prasselt zusätzlich die internationale Politik auf uns ein“, fährt Vögele fort. „Mit unseren Produkten stehen wir mittlerweile am internationalen Markt im Wettbewerb. Nicht nur die Bewegungen des Gaspreises oder veränderte Handelsrouten treffen uns. Nun kommt die Zollproblematik hinzu. Zölle auf Stahlproduktionen zum Beispiel wirken sich – allein wegen der Lieferketten – auch auf uns, die Landwirtschaft, aus.“ Doch hier gilt wie in allen Bereichen für den Geschäftsführer der Futtertrocknung Lamerdingen: „Wir haben in den letzten Jahren bewiesen, dass wir uns anpassen und wachsen können. Diesen Weg werden wir konsequent fortsetzen.“

Stabiles finanzielles Fundament trotz hoher Kosten

Bei der ordentlichen Generalversammlung der Futtertrocknung Lamerdingen, die im März 2025 stattfand, präsentierte Wirtschaftsprüfer Georg Huth vom Genossenschaftsverband Bayern die Bilanz 2024 und bescheinigt der Genossenschaft eine solide wirtschaftliche Basis. Die Rücklagen belaufen sich auf 4,7 Millionen Euro, das Gesamtvermögen auf 6,3 Millionen Euro. Allerdings führte der hohe Energieverbrauch zu einem Verlust von knapp 81.000 Euro, der ins kommende Geschäftsjahr vorgetragen wird. „Trotz der Herausforderungen steht die Genossenschaft auf stabilen Beinen und wir können weiterhin in unsere Zukunft investieren“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Anton Wörle. Überdies ist die Futtertrocknung mit zehn verschiedenen Zertifikaten ausgezeichnet, darunter auch für den Sennereiverband Südtirol. Dies ermöglicht den Zugang zu neuen Märkten.

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