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Herr Dr. Walther, die Vereinten Nationen haben 2025 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen. Was haben Sie bei der VR-Bank Mittelfranken Mitte dazu geplant?

Gerhard Walther: Wir nehmen das Internationale Jahr der Genossenschaften zum Anlass, um mit verschiedensten Aktionen zu zeigen, was diese Unternehmen für die Menschen und die Wirtschaft in ihrer Region leisten. Dazu haben wir auf unserer Webseite eine zentrale Seite erstellt, die alle wesentlichen Informationen für unsere Mitglieder und Kunden sowie die interessierte Öffentlichkeit enthält. Ein Wesenskern der Volks- und Raiffeisenbanken ist die genossenschaftliche Beratung, die den Finanzbedarf der Mitglieder und Kunden ganzheitlich in den Blick nimmt. Für das Jahr 2025 haben wir das Ziel ausgerufen, unserer Zukunftsvorsorgeberatung einen noch bedeutenderen Stellenwert beizumessen. Es ist uns sehr wichtig, unsere Mitglieder so zu beraten, dass sie im Rentenalter nicht von Altersarmut betroffen sind. Das ist ein herausragender monetärer Nutzen, den wir unseren Mitgliedern bieten, wenn sie uns ihre Finanzen anvertrauen. Parallel dazu wollen wir anlässlich des Internationalen Jahrs der Genossenschaften die Beteiligungsmöglichkeiten unserer Mitglieder an der VR-Bank Mittelfranken Mitte erweitern. Dazu planen wir verschiedene Kampagnen. So sollen die Mitglieder entscheiden können, ob sie die Dividende auf ihre Anteile weiterhin ausbezahlt haben wollen, oder ob sie diese ansparen, um damit den nächsten Geschäftsanteil zu finanzieren. So stärken wir nicht nur die Beteiligung des einzelnen Mitglieds, sondern auch das Eigenkapital der Genossenschaft. Mit einer wirtschaftlich stabilen und leistungsfähigen Bank können wir wiederum unserem Förderauftrag in der Region noch besser nachkommen.


Was planen Sie darüber hinaus?

Walther: Als genossenschaftliche Bank ist es der VR-Bank Mittelfranken Mitte schon immer ein großes Anliegen gewesen, unsere Region voranzubringen und regional zu fördern. Zu diesem Zweck haben wir 2009 die Raiffeisen-Stiftung gegründet. Ziel ist es, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern und dazu beizutragen, dass unsere Heimat weiterhin liebens- und lebenswert bleibt. Anlässlich des Internationalen Jahres der Genossenschaften haben wir das Kapital der Stiftung nochmals erhöht, um mehr Projekte fördern zu können. Dazu haben wir einen Wettbewerb ausgerufen, um verschiedenste Organisationen und Institutionen in unserem Geschäftsgebiet anzusprechen. Wir wollen mit einer Ausschüttung unserer Stiftung Projekte fördern, die mehrere Generationen zusammenbringen und die Menschen dazu animieren, miteinander gesellschaftliches Leben positiv zu gestalten. Der Wettbewerb läuft bis November 2025. Dann werden drei Preisträger ausgewählt, die wir zusammen mit der Präsidentin der Regierung von Mittelfranken, Kerstin Engelhardt-Blum, prämieren werden.

„Mit unseren Aktionen zeigen wir unseren Mitgliedern und den Menschen in der Region: Wir sind für sie da.“

Der Altersdurchschnitt der Mitglieder bei den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken liegt über dem Altersdurchschnitt der allgemeinen Bevölkerung. Wie wollen Sie im Internationalen Jahr der Genossenschaften insbesondere die jüngeren Menschen ansprechen?

Walther: Für die jungen Mitglieder und Kunden planen wir eine große Kampagne mit ubiMaster. Das Unternehmen bietet jungen Menschen online persönliche Nachhilfe für die Schule an. Als Kooperationspartner können wir so zur Lebensertüchtigung unserer jungen Mitglieder und Kunden beitragen. Das ist ein Nutzen, der deutlich über das Bankgeschäft hinausgeht. Zusammen mit den anderen Aktionen haben wir so einen bunten Strauß an Angeboten zusammengestellt. Damit zeigen wir unseren Mitgliedern und den Menschen in der Region anlässlich des Internationalen Jahres der Genossenschaften: Wir sind für sie da und wir tun sehr proaktiv etwas dafür, um den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Förderauftrag auch umzusetzen.

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Zum Jahr der Genossenschaften 2025 hat der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) einen kurzen Film produziert, der zeigt, was Genossenschaften bewirken. GVB-Mitglieder können den Film für ihr eigenes Marketing nutzen. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Download gibt es im GVB-Mitgliederportal.

Sie haben das Internationale Jahr der Genossenschaften bei der VR-Bank Mittelfranken Mitte unter das Motto „Zukunft braucht Herkunft“ gestellt. Können Sie Ihre Gedanken dazu erläutern?

Walther: „Zukunft braucht Herkunft“ ist für uns ein sehr wichtiges Motto. Unsere Vorgängergenerationen haben diese Bank aufgebaut. Die aktuelle Führungsgeneration und auch die Mitarbeiter tragen entsprechend ihrer Möglichkeiten zur weiteren positiven wirtschaftlichen Entwicklung unseres Hauses und der Region bei. Basis für unser heutiges wirtschaftliches Handeln sind unsere genossenschaftlichen Werte und die Geschichte unserer Bank. Dieses Wissen hilft uns dabei, die damit einhergehende Verantwortung zu erkennen und zu übernehmen. Das wollen wir uns intern noch stärker vergegenwärtigen und auch nach außen tragen, denn dieses Verständnis betrifft den Markenkern der VR-Bank Mittelfranken Mitte.

Genossenschaftliche Bewegung mit Festakt gewürdigt

Anlässlich des Internationalen Jahrs der Genossenschaften 2025 lud die VR-Bank Mittelfranken Mitte zu einem Festakt in ihren Räumlichkeiten in Ansbach ein. Ziel der Veranstaltung war es, die Bedeutung der genossenschaftlichen Bewegung für unsere heutige Zeit zu würdigen und die genossenschaftliche Idee weiterzutragen. Stefan Müller, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), sprach über die Bedeutung von Genossenschaften für Bayern. Professor Richard Reichel, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Genossenschaftswesen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, machte den Auftrag von Genossenschaften gestern und heute zu seinem Thema. Gerhard Walther, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Mittelfranken Mitte, informierte die rund 100 Gäste darüber, wie sein Haus das Internationale Jahr der Genossenschaften umsetzen wird. Die A-cappella-Gruppe VivaVoce unterhielt das Publikum mit Gesangskunst, die ganz ohne Instrumente auskommt, aber trotzdem ein erstaunliches Repertoire bietet.


Welche Bedeutung haben Genossenschaften grundsätzlich für Bayern?

Walther: Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Genossenschaften für Bayern ist aus meiner Sicht erheblich – und zwar über alle Branchen hinweg. Nehmen wir als ein Beispiel von vielen die Kreditgenossenschaften in der Corona-Pandemie. Die Volks- und Raiffeisenbanken waren in dieser schweren Zeit die entscheidende Stütze der Wirtschaft, weil sie treu an der Seite der Unternehmen standen und die Kreditvergabe nicht eingeschränkt haben. Darüber hinaus sind die Genossenschaften das entscheidende Wirtschaftsmodell, um Bürgerbeteiligung umzusetzen. Energiegenossenschaften zum Beispiel treiben die Energiewende voran und binden die Bürger vor Ort ein. Oder die Bürger schließen sich zu Wärmegenossenschaften zusammen, um gemeinsam ihre Häuser mit Wärme aus regenerativen Energien zu versorgen. Aber auch in anderen Branchen erweist sich die genossenschaftliche Bürgerbeteiligung als Erfolgsmodell, etwa wenn sich die Menschen eines Orts zusammentun, um ihre Dorfwirtschaft zu erhalten oder wiederzubeleben. Wirtshäuser sind ein wichtiger Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft, sie stärken den sozialen Zusammenhalt und tragen so zur Attraktivität des Orts bei. Ein schönes Beispiel dafür ist das Dorfheim Fanni in Pischelsdorf im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, über das sogar ein eigener Film gedreht worden ist. Genossenschaften stützen also die Wirtschaft vor Ort und binden die Bürger ein. Das ist in meinen Augen der große Mehrwert von Genossenschaften für Bayern. Diese Botschaft wollen wir speziell zum Internationalen Jahr der Genossenschaften nach außen tragen.

„Genossenschaften stehen für eine demokratische Unternehmensführung – ein Wert, der in Anbetracht aktueller Entwicklungen nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.“

Genossenschaften gibt es seit mehr als 160 Jahren. Wo sehen Sie in heutiger Zeit ihren Mehrwert?

Walther: Die Rechtsform der Genossenschaft steht für eine demokratische Unternehmensführung – ein Wert, der in Anbetracht aktueller Entwicklungen nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Nicht das Kapital ist entscheidend für die Mitbestimmung, sondern das einzelne Mitglied. Dadurch bilden Genossenschaften die Breite der Bevölkerung ab – eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftlichen Erfolg. Deshalb brauchen wir Genossenschaften meiner Meinung nach mehr denn je.

Unterstützungspaket des GVB zum Jahr der Genossenschaften

Das Internationale Jahr der Genossenschaften bietet GVB-Mitgliedern die Chance, ihre Sichtbarkeit zu steigern und ihre Bedeutung für die heimische Wirtschaft herauszustellen. Dazu hat der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) das Jahr unter folgendes Motto gestellt:

Genossenschaften machen‘s besser. Für dich, für uns, für morgen

Um seine Mitglieder bei der Kommunikation bestmöglich zu unterstützen, stellt ihnen der Verband zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung. Diese gibt es gesammelt im GVB-Mitgliederportal auf einer eigenen Themenseite. Zu den Unterstützungsleistungen zählen:

  • Ein eigenes Logo zum Internationalen Jahr der Genossenschaften,
  • eine zentrale Webseite www.jahr-der-genossenschaften.de, auf die Genossenschaften verlinken können.
  • Dateien mit Zahlen und Fakten sowie Hintergrundinfos zum Internationalen Jahr der Genossenschaften, zusammengestellt vom Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV),
  • einen Mustertext mit Textbausteinen zum Genossenschaftsjahr (zum Beispiel für Reden, Versammlungen, Veröffentlichungen),
  • ein Werbemittelpaket für VR-Banken (WebBank+, SB-Layouter, Anzeige, Social-Media-Werbemittel),
  • ein dreiminütiger Film über die Kraft von Genossenschaften, den die GVB-Mitglieder für Veranstaltungen (zum Beispiel General- und Vertreterversammlungen) einsetzen können, und
  • eine Wanderausstellung des Historischen Vereins bayerischer Genossenschaften (teilweise schon ausgebucht, Terminanfragen gerne per Mail an geschichte(at)gv-bayern.de).

Wie müssen sich Genossenschaften aufstellen, um ihrer Bedeutung auch in Zukunft gerecht zu werden?

Walther: Zur Bewältigung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme sollten sich Genossenschaften eine Anleihe bei den Pionieren nehmen. Diese haben die Not im Volk gesehen und sich überlegt, wie sie einen Rahmen setzen können, um ihre Mitglieder wirtschaftlich erfolgreich zu machen. Ich glaube, moderne Genossenschaften haben eine vergleichbare Aufgabe, auch wenn die „Not“ der Bevölkerung nur noch in Anführungszeichen zu sehen ist. Auch moderne Genossenschaften müssen sich fragen, welche Themen ihre Mitglieder beschäftigen, und ihnen ein Angebot zur gemeinsamen Lösung machen. Im Grunde genommen hat sich in den vergangenen 160 Jahren also wenig an den Aufgaben von Genossenschaften geändert. Die Themen sind andere, aber die Lösungsansätze sind sich sehr ähnlich. Ich werbe dafür, diesen genossenschaftlichen Urgedanken auch im 21. Jahrhundert nicht aus den Augen zu verlieren.

„Das Internationale Jahr der Genossenschaften gibt uns die Gelegenheit, Werbung für das Genossenschaftswesen zu machen und die Modernität dieser Rechtsform unter Beweis zu stellen.“

Haben Sie zum Internationalen Jahr der Genossenschaften noch einen Wunsch?

Walther: Das Internationale Jahr der Genossenschaften gibt uns die Gelegenheit, Werbung für das Genossenschaftswesen zu machen und die Modernität dieser Rechtsform unter Beweis zu stellen. Ich wünsche mir, dass sich möglichst viele bayerische Genossenschaften dieser Kampagne anschließen, um die Menschen vor Ort mitzunehmen und sie zu motivieren, sich selbst einer Genossenschaft anzuschließen oder sogar eine eigene zu gründen, um mit der Kraft der Gemeinschaft die Herausforderungen unserer Zeit zu lösen.


Herr Dr. Walther, herzlichen Dank für das Gespräch!

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