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Herr Grass, auf der ProWein in Düsseldorf buhlen Weingüter aus aller Welt um ein internationales Fachpublikum mit Rang und Namen. Auch Sie werden vom 15. bis 17. März 2020 mit der DIVINO Nordheim Thüngersheim eG und der Exportinitiative „German Wine Group“ vor Ort sein. Warum ist diese Messe für Sie wichtig?

Exportgesellschaft für deutschen Wein

Die „German Wine Group“ (GWG) wurde Ende 2017 von den Winzergenossenschaften DIVINO Nordheim Thüngersheim aus Franken, Alde Gott aus Baden, Cleebronn & Güglingen aus Württemberg sowie Weinbiet aus der Pfalz gegründet, um den Export als zusätzlichen Absatzkanal für deutschen Wein zu erschließen. Zusammen bewirtschaften die Gesellschafter rund 1.400 Hektar Weinberge.

Wendelin Grass: Seit ihrem Start im Jahr 1994 hat sich die ProWein zur weltweit führenden Weinmesse entwickelt. In den vergangenen 25 Jahren habe ich ihre Entwicklung von einer Fachmesse für vornehmlich nationale Händler hin zum internationalen Branchentreff sozusagen live miterlebt. Als Geschäftsführer einer mittelgroßen Genossenschaft aus Franken stelle ich mir in jedem Jahr neu die Frage, ob die Messe unseren Zielen und unseren Strukturen nicht bereits entwachsen ist. Andererseits entwickeln auch wir unsere eigenen Ansprüche stetig weiter. DIVINO zählt heute zu den qualitativ führenden Weinerzeugern in Deutschland. Und mit der German Wine Group, die wir vor drei Jahren zusammen mit Partnern als Exportinitiative für deutschen Wein gegründet haben, verfolgen wir mittlerweile auch internationale Ambitionen. Die ProWein Düsseldorf ist deshalb für uns ein ideales Schaufenster, um einem internationalen Fachpublikum unser vielfältiges Sortiment zu präsentieren, neue Geschäftskontakte im Ausland anzubahnen und dort das Image des fränkischen und deutschen Weins zu stärken.
 

Was wollen Sie mit der German Wine Group konkret erreichen?

Grass: Die Partner positionieren alle ihre Weine im Mittel- bis Hochpreissegment. Von der Herkunft und den Rebsorten her ergänzen sich ihre Sortimente sehr gut und repräsentieren einen Querschnitt der deutschen Weinlandschaft. Das sind gute Voraussetzungen, um mit unseren Weinen auch im Ausland Fuß zu fassen. Konkret verfolgen wir mit der German Wine Group mehrere Zwecke:

  • Wir wollen den Export als zusätzlichen Absatzkanal für alle Partner erschließen.
  • Wir bündeln alle Services für die Exportmärkte in einer Hand. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal für unsere Distributoren.
  • Zusammen minimieren wir die Markterschließungs- und Distributionskosten im Ausland.
  • Weil die German Wine Group nur von den beteiligten Winzergenossenschaften gehalten wird, bleibt die volle Qualitätskontrolle vom Weinberg bis in die Flasche in unseren Händen.

Die fränkischen Winzergenossenschaften auf der ProWein 2020

Die ProWein in Düsseldorf ist nach eigener Einschätzung die Weltleitmesse für Wein und größter Branchentreff für Fachleute aus Anbau, Erzeugung, Gastronomie und Handel. Sie findet dieses Jahr vom 15. bis 17. März statt. Die fränkischen Winzer präsentieren sich in Halle 14 an den Ständen D86 bis E90. Die drei fränkischen Winzergenossenschaften DIVINO Nordheim Thüngersheim, Winzer Sommerach und Winzergemeinschaft Franken (GWF), der Staatliche Hofkeller Würzburg sowie 24 private Weingüter halten gemeinsam die Fahne des Frankenweins hoch. Im Mittelpunkt steht der Silvaner als Leitrebsorte Frankens. Er ist seit über 360 Jahren das Fundament des fränkischen Weinbaus. Die Fränkische Weinkontor eG als Vertriebspartner der drei Genossenschaften läuft bei der GWF mit. Kostenfreie, 45-minütige Seminare von bekannten Sommeliers, Weinjournalisten und Verkostern sowie eine offene Weinbar sollen den Besuchern die Welt des Frankenweins näherbringen. Weil die German Wine Group neben Franken auch die Anbaugebiete Pfalz, Baden und Württemberg vertritt, ist sie gleich neben dem Frankenwein an Stand E91 zu finden.

Welche Länder haben Sie bei der German Wine Group besonders im Fokus?

Grass: Aktuell sind wir mit der German Wine Group in 20 Ländern präsent. Wir erfahren seit dem ersten Auftritt auf der ProWein 2018, dass der Name im Ausland zieht, weil er bestechend einfach ist und eine hohe Glaubwürdigkeit besitzt. So kamen im Nachgang zur ProWein 2019 insgesamt sieben neue Exportdestinationen hinzu. Generell sind wir offen für alle Länder, in denen deutsche Weine nachgefragt werden und die wir klassisch über einen Distributor bedienen können. In Europa sind die Benelux-Länder, die osteuropäischen EU-Mitglieder sowie Skandinavien unsere Schwerpunktmärkte. Kanada, Mexiko, USA gehören zu unseren Zielmärkten in Amerika, und natürlich Japan, Südkorea sowie China in Südostasien. Im Grunde genommen beschreibt der Firmenname German Wine Group sehr treffend unser Ziel: Wir wollen Kunden aus aller Welt deutschen Wein aus einer Hand anbieten. Insofern folgen wir mit unserer Distributionsstrategie in erster Linie der Nachfrage. Und wie das Beispiel der Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Hofkeller Würzburg zeigt, sind wir auch für marktadäquate Portfolioerweiterungen offen, die unser eigenes Angebot sinnvoll ergänzen.
 

Der Staatliche Hofkeller Würzburg wickelt seinen Weinexport seit Anfang des Jahres über die German Wine Group ab. Wie kam es dazu?

Grass: Die Zusammenarbeit mit dem Prädikatsweingut Staatlicher Hofkeller Würzburg ist für beide Seiten ein Gewinn: Die German Wine Group bietet dem Staatlichen Hofkeller kontinuierliche Präsenz bei internationalen Kunden und Messen. Das ist für den Hofkeller effizient und spart Kosten. Andererseits wird das Exportportfolio der German Wine Group durch das positive Image des Staatlichen Hofkellers als Bayerisches Staatsweingut und Mitglied im Verband deutscher Prädikatsweingüter (VDP) weiter aufgewertet. Im Ausland sind insbesondere die Lebens- und Genusswelten aus Bayern bekannt und beliebt und werden zudem mit hoher Qualität in Verbindung gebracht.
 

Die bayerischen Lebens- und Genusswelten sind ein gutes Stichwort: Sie wollen mit der German Wine Group auf der ProWein eine neue Marke für deutschen Wein vorstellen. Was genau haben Sie vor?

Grass: Im internationalen Kontext ist deutscher Wein noch immer eine Nischenkategorie. Allerdings beobachten wir, dass unsere Weine im Ausland immer mehr wertgeschätzt werden. Zusätzlich sind die Deutschen sehr reisefreudig. Das erhöht die allgemeine Aufmerksamkeit für unser Land. In Kombination wird auch das Interesse am Weinland Deutschland allseits beflügelt. Leider kann der Verbraucher deutsche Weine in internationalen Regalen nicht auf Anhieb von anderen Herkunftsländern unterscheiden, weil es an markanten einheitlichen Erkennungsmerkmalen fehlt. Genau das wollen wir mit unserer neuen Marke „ORIGINAL G“ ändern. Die insgesamt sieben Weine der Marke ORIGINAL G teilen sich auf zwei Linien auf: Die Basislinie besteht aus einem „German Red“, einem „German White“ sowie einem „German Rosé“. Die höherwertige Rebsortenlinie umfasst Riesling, Pinot Blanc, Pinot Noir sowie einen Blanc de Noir. Um die neue Marke im Bewusstsein der internationalen Konsumenten zu verankern, nutzen wir Motive, die diese bereits heute mit Deutschland verbinden.

Mit welchen Motiven wollen Sie ausländischen Konsumenten den deutschen Wein schmackhaft machen?

Grass: Alpen, Trachten, Brauchtum, Dirndl und Lederhose sind Bilder, die man weltweit mit dem Oktoberfest, Bier oder dem FC Bayern München und damit mit deutscher Lebensart verknüpft. Die dargestellten Frauen und Männer sind alle mit den Gesellschaftern der German Wine Group eng verbunden, sei es im Weinbau oder beim Ausbau im Keller. Durch diesen stilistischen Rückgriff auf authentische Personen wird der direkte Bezug zur Qualität in der Flasche glaubwürdig hergestellt.

So wird der Weinjahrgang 2019

Wie wird der Weinjahrgang 2019? „Profil“ hat bei den fränkischen Winzergenossenschaften nachgefragt:

Warum ist der Export für die DIVINO Nordheim Thüngersheim eG wichtig?

Grass: Der Weinmarkt in Deutschland ist seit einigen Jahren rückläufig und von einem hohen Wettbewerbsdruck geprägt. Die sehr kleinteilig strukturierten Erzeuger haben es mit konsolidierten und zentralisierten Handelspartnern zu tun. Das betrifft nicht nur den Lebensmittelhandel und die Discounter, sondern immer mehr auch den Fach- und Onlinehandel. Die DIVINO möchte mit ihrem Portfolio in allen Vertriebskanälen präsent sein. Dazu gehört aus unserer Sicht auch der Export.
 

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat Mitte Januar einige Eckpunkte der geplanten Weinrechtsreform vorgestellt. Mit der Novelle sollen neue Vermarktungsperspektiven für Winzer in Deutschland eröffnet werden. Wie bewerten Sie das Gesetzesvorhaben?

Grass: Wein ist individuell und vielfältig. Das macht seine Faszination aus. Insofern sollte die anstehende Weinrechtsreform lediglich einen groben Rechtsrahmen für die Erzeugung und Herstellung von Wein vorgeben und alle individuellen Regelungen für Herkunftsbezeichnungen in die Verantwortung der regionalen Schutzgemeinschaften beziehungsweise Branchenverbände legen. Dort weiß man über die geologischen wie mikroklimatischen Voraussetzungen des Weinbaus vor Ort genauestens Bescheid. Auf dieser Basis lassen sich unterscheidbare Herkunftskriterien definieren. So wird es auch im romanischen Weinrecht gehandhabt, das in Frankreich und den südeuropäischen Ländern verbreitet ist. Dort steht die Herkunft bei der Benennung und Definition des Weins im Vordergrund. Gleichlautend dazu sollte auch bei uns die jeweilige Weinregion die alleine Verantwortung dafür tragen, wie Qualität und Herkunft festgelegt werden. Die bisher bekannt gewordenen Eckpunkte der Weinrechtsreform lassen eher eine Regulierung von oben nach unten befürchten.

Die DIVINO Nordheim Thüngersheim eG

Die Mitglieder der DIVINO Nordheim Thüngersheim eG verfügen über rund 360 Hektar Rebflächen auf renommierten Weinlagen an der Volkacher Mainschleife sowie im Raum Thüngersheim. Die Genossenschaft leitet ihre Winzer mit einem strengen Bonitursystem zu einer homogenen, hochwertigen Weinbergbewirtschaftung an. Ziel ist es, mit gesunden, optimal reifen Trauben in Verbindung mit einer strengen Begrenzung der Erntemengen hochwertige Weine zu produzieren. Mit ihrem Slogan „Frankens Feine Weine“ zählt sich die Genossenschaft zur Spitzenriege der fränkischen Weinerzeuger.

Sollte das romanische Modell auch bei uns Einzug halten, ließen sich die deutschen Weine jedoch nicht mehr als Qualitätsweine oder Prädikatsweine wie Kabinett, Spätlese oder Auslese klassifizieren. Sehen Sie darin einen Nachteil für die fränkischen Winzer?

Grass: Ich befürworte eine Neuordnung der Weinklassifizierung nach dem romanischen System mit dem Prinzip: Je genauer die Herkunft eines Weins definiert wird, desto höher ist seine Qualität. Insofern muss die bisherige Qualitätspyramide für deutschen Wein durch neue, herkunftsbezogene Qualitätskriterien abgelöst werden. Diese können nur im jeweiligen Anbaugebiet festgelegt werden. Unsere Weinheimat ist und bleibt Franken und die Identität dieser Weine sollte für den Verbraucher auch nicht durch irgendwelche neue Begriffe wie „Districtus Germaniae Controllatus“ (DGC) verwässert werden, die gerade diskutiert werden.

Herr Grass, vielen Dank für das Interview!

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